Abschließende Betrachtung

Geschrieben von Prof. Dr. med. Carl Schirren

Die Darstellung der Geschichte einer seit über 100 Jahren bestehenden wissenschaftlichen Vereinigung kann sich an verschiedenen Punkten der Entwicklung dieses Zusammenschlusses orientieren. Sie kann zum Beispiel Unterlagen aus dieser Zeit heranziehen, um an ihnen zu zeigen, wie sich in dieser langen Zeit die Situation für die Mitglieder geändert hat. Sie kann aber auch das Leben und die Persönlichkeit besonders prominenter Mitglieder heranziehen, um darzustellen, welche besonderen Aspekte es gewesen sein können, die für den jeweiligen Zeitraum verantwortlich gemacht werden können für den Einfluss bestimmter Strömungen. Die Geschichte der Hamburger Dermatologischen Gesellschaft umfasst schließlich einen Zeitraum, der zwei Weltkriege einschließt und daher durchaus geeignet gewesen ist, auch soziale Spannungen und Änderungen im Berufsbild des Arztes erkennen zu lassen.

Der vorliegende Band versucht aus allen Gesichtspunkten eine fruchtbare Mischung herzustellen, aus welcher sich ein geschlossenes Bild herauskristallisiert, welches für eine Ärzteorganisation charakteristisch sein dürfte, in welcher über Jahrzehnte ein fester, bleibender Bestandteil unverändert geblieben ist: Das Interesse am Kranken, der Wandel der Krankheiten in Jahrzehnten, die Veränderungen der ärztlichen Diagnostik und schließlich auch der Wandel in den Behandlungsmaßnahmen unter dem Einfluss moderner chemischer Erkenntnisse.

Es sind also viele theoretische, allerdings auch praktische Gesichtspunkte, welche für ein Zusammengehen von Ärzten bestimmend sind, weil sich aus ihnen neue Aspekte für jedes einzelne Mitglied ergeben, wenn es aus dieser Vereinigung einen Nutzen ziehen will. Gerade die Darstellung von Krankheitsbildern, deren Diagnostik und Therapie eröffnen für jeden teilnehmenden Arzt Perspektiven, die ihm alleine niemals zuwachsen könnten, sondern gerade erst in der Erörterung mit Kollegen einen Vorteil bringen können.

Vor diesem Hintergrund ist die Geschichte der Hamburger Dermatologischen Gesellschaft zu verstehen, deren Gründung auf die Initiative von einigen in Hamburg prominenten Fachvertretern zurückgeht, welche es sich zur Aufgabe gestellt hatten, auch andere Fachvertreter für einen derartigen Zusammenschluss zu interessieren.

Wenn eine Vereinigung über einen Zeitraum von über 100 Jahren in ihrer Grundkonzeption erhalten geblieben ist, dann ist das ein Beleg dafür, dass die Grundidee richtig war. Waren im Laufe der Jahrzehnte auch hin und wieder Bestrebungen oder Ansätze für bestimmte Änderungen erkennbar, wie sie sich aus den Zeitabläufen ergeben, so hat das Grundkonzept sich dennoch durchgesetzt und bewährt. Mit Recht kann man daher sagen, dass der ursprüngliche Gedanke, welcher die Mitglieder der ersten Stunde zusammengeführt hat, die besten Voraussetzungen dafür bietet, dass die Hamburger Dermatologische Gesellschaft auch in 100 Jahren noch ihre volle Berechtigung haben wird.