Wiederbeginn nach dem II. Weltkrieg

Das erste Protokoll nach Beendigung des ZweitenWeltkrieges (Abb. 1) stammt aus dem Jahre 1948 und stellt unter dem 3. April 1948 fest, dass eine »erste Geschäftsordnungssitzung der bisher nicht eingetragenen Hamburger Dermatologischen Gesellschaft stattfand, deren Neugründung durch das Schreiben der Militärregierung vom 10.01.1948 – 609/EDK/UNI/514/31 genehmigt worden ist«. Daraus wird deutlich, dass die bisher seit 1914 bestandene Hamburger Dermatologische Gesellschaft nicht im Vereinsregister eingetragen gewesen war. Folglich war es auch nichtmöglich, für die Zeit seit 1914 offizielle Protokolle einzusehen, Einzelheiten zu dieser ersten Sitzung gehen aus Abbildung 1 hervor.

Ein weiteres Dokument ist mit der Abbildung 2 aufgenommen worden, weil daraus hervorgeht, dass Alfred Marchionini am 17.11.1949 auf dem Amtsgericht / Vereinsregister persönlich anwesend war und dabei folgendes zu Protokoll gegeben hat: »Ich melde die Satzungsänderung und die Änderung des Vorstands zur Eintragung in das Vereinsregister an. Ich versichere, dass mir nach sorgfältiger Prüfung nichts darüber bekannt ist, dass gemäß den Gesetzen Nr. 52 und 53 der britischen Militärregierung und den dazu erlassenen Anordnungen etwas der gewünschten Eintragung entgegensteht. Mir ist auch nicht die Führung eines Vereins aus politischen Gründen untersagt worden. Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben: Prof. Dr. Alfred Marchionini.«

Unter dem Datum 12.09.1950 findet sich sodann das Protokoll über die Neuwahl des Vorstands, der sich jetzt aus dem Vorsitzenden Priv.-Doz. Dr. Paul Jordan, dem 2. Vorsitzenden Dr. Fritz Zimmern und Dr. Udo Ellerbroek als Schriftführer und Kassenwart zusammensetzt. 56 Mitglieder hatten an dieser Sitzung teilgenommen. Es wurde durch Akklamation gewählt (Abb. 3).

Am 27.10.1951 wurde ein weiteres Protokoll der ordentlichen Generalversammlung aufgenommen (Abb. 4), in welcher die Wahl des Gründers der Gesellschaft, Prof. Dr. Paul Wichmann, als Vorsitzender gewählt wurde, 2. Vorsitzender wurde Dr. Friedrich Zimmern und Schriftführer/Kassenwart Priv.-Doz. Dr. Joachim Johann Herzberg. Alle Personen wurden einstimmig gewählt.

 

 

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Abb. 1: Protokoll über die erste Geschäftsordnungssitzung nach 1945
Abb 2-Protokoll_Thumb
Abb. 2: Protokoll der Anmeldung zwecks Eintragung in das Vereinsregister

 

 

Abb 3-Neuwahl_Thumb
Abb. 3: Neuwahl des
Vorstandes 1950
Abb 4-Protokoll_Thumb
Abb. 4: Protokoll der ordentlichen Generalversammlung am 27.10.1951

 

Persönliche Daten der Mitglieder der ersten Stunde

Die erste Stunde der Hamburger Dermatologischen Gesellschaft wurde von fünf Persönlichkeiten bestimmt, deren Lebensdaten in den Rahmen dieser geschichtlichen Darstellung hineingehören. Es sind dieses Paul Wichmann, Paul Gerson Unna, Eduard Arning, Carl Bruck und Hans Ritter.Element Selection


Paul Wichmann_02_thumb Paul Wichmann wurde am 30. Juni 1872 als Sohn des Juristen Wilhelm Wichmann in Wiesbaden geboren. Sein Vater war jüngster Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung. Während der ersten Lebensjahre wuchs er in Wiesbaden und Koblenz auf, später besuchte er das Gymnasium in Bonn, wo er auch das Abitur ablegte. Er konnte sehr lebhaft aus seiner Familiengeschichte erzählen. So berichtete er, dass ein Urgroßvater Kammerherr des Bischofs von Lüttich gewesen sei, die Urgroßmutter mütterlicherseits wurde unter König Jerome zum Tode verurteilt, weil sie abends in der Gesindestube einen französischen Major fand, der mit einer Magd Zärtlichkeiten austauschte. Sie versetzte dem Major zwei Ohrfeigen und jagte ihn aus dem Haus. Ein Kriegsgericht verurteilte sie zum Tode. Ihr Ehemann ritt völlig verzweifelt zum König Jerome und bat um Milde. Daraufhin wurde das Urteil kassiert und der Major in ein anderes Regiment versetzt. Von derartigen Geschichten gibt es viele, die durch seinen Freund Ben Witter überliefert sind und zu verschiedenen Gelegenheiten in Hamburger Zeitungen zum Besten gegeben wurden (24).

Als Assistenzarzt in Berlin arbeitete er unter Langerhans, Fürbringer, Virchow, von Bergmann und dem berühmten Dermatologen Lassar. Auf diese Weise erhielt er Kenntnis von berühmten Patienten im damaligen Berlin, die er selbst auch oft in Vertretung behandelte. So bekam er Zugang zu höchsten Kreisen, wurde sogar nach Petersburg an den Zarenhof gebeten – und wurde so zum »Arzt der Könige und Bettler«. Er war in jeder Beziehung ein wahres Original, hatte gute Allgemeinkenntnisse in der Medizin und überzeugte durch seine Behandlungserfolge, die im Wesentlichen aus einfachen Natur-Methoden bestanden.

Er war sehr musikalisch, besuchte in der Oper jede Neuinszenierung und konnte durch seine Baritonstimme überzeugen. Darüber hinaus liebte er Wagners Musik (24).

Sein besonderes Interesse galt schon früh einer Behandlung der Hauttuberkulose. Die operative Therapie des Lupus lehnte er ab und wandte sich stattdessen der von Finsen inaugurierten Lichtbehandlung zu. Bei einem Studienaufenthalt in Paris hatte er den Wert der Radiumbehandlung bei Hautkrebs kennengelernt und nahm diese Methode mit nach Hamburg. Da er allerdings die Gefahr der Radiumstrahlen kannte und einen Diebstahl befürchtete, trug er die Radiumkapsel bis zu seinem Tode in der Tasche mit sich.

Der Lupuskrankheit, die in der ärmeren Bevölkerung sehr verbreitet war, suchte er durch neuartige Maßnahmen zu begegnen. So setzte er alles darauf, in Eppendorf ein Lupusheim einzurichten. Hierzu kämpfte er um Spenden in der Bevölkerung und hielt Vorträge, verhandelte mit der Landesversicherungsanstalt und den Krankenkassen, um die nötigen Mittel für einen Neubau einzuwerben, und konnte dieses Lupusheim im Jahre 1912 in Betrieb nehmen (Abb. 5).

 

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Abb. 5: Die 1913 fertiggestellte Lupusheilstätte in der Martinistraße. Sie gehörte seit 1924 als Hauptgebäude zur Universitäts-Hautklinik (Aufnahme um 1925, im Besitz von A. Bröcker-Funk)

 

Dieses Haus war später die Keimzelle für die Klinik für Hautkrankheiten im Universitätskrankenhaus Eppendorf. Hier hat Paul Wichmann mehr als 3.000 Lupuskranke behandelt. Wichmann konnte sich im Jahr 1923 habilitieren und erhielt 1924 die Amtsbezeichnung eines außerordentlichen Professors.

Bis 1933 blieb er in der Position eines Oberarztes am Krankenhaus Eppendorf. Danach ging er nur noch seiner Privatpraxis am Jungfernstieg nach. In »Die Dermatologen Deutscher Sprache« von Heinrich Löhe und Erich Langer aus dem Jahre 1955 wurden seine Arbeiten zur Diätbehandlung der Hauttuberkulose, zur wirtschaftlichen Röntgentherapie, zur Begutachtung und zur Lichtbiologie aufgeführt.

Es wurde berichtet, dass Paul Wichmann anlässlich einer Dermatologentagung Anfang der 1950er Jahre – auf welcher Sauerbruch einen Vortrag über die von ihm gemeinsam mit Gerson und Herrmannsdorfer entwickelte Diät berichtete, mit der er Lupuspatienten geheilt habe – eine sehr kritische Diskussionsbemerkung einbrachte. Er hatte nämlich kurz vor der Sitzung die einbestellten Patienten untersucht und festgestellt, dass von Heilung keine Rede sein konnte, woraufhin Sauerbruch sehr ungehalten reagierte und sich auf den Tatbestand »klinische Besserung« zurückzog. Mit der Bemerkung: »Selbst wenn Sie mich in die dritte Kategorie Ihrer Opponenten einweisen wollten – Ihre Diät verändert lediglich das Milieu, wodurch manchmal Besserungen erzielt werden« schloss Wichmann; Sauerbruch ging darauf jedoch nicht mehr ein (24).

Paul Wichmann war ein begnadeter Arzt, der sein Wirken vor allem den sogenannten einfachen Leuten widmete und dadurch in Hamburg sehr angesehen und beliebt war. Er hat andererseits seine vielfältigen Kontakte zu hohen und allerhöchsten Stellen im Ausland in der ihm eigenen Art voll ausgenutzt. Darüber hinaus hatte er auch bestimmte Eigenheiten an sich: So wird berichtet, dass er stets zwei Schritte vor dem Bordstein wartete, bevor er die Straße überquerte, um sich auf diese Weise vor den Abgasen der Autos bereits im Jahre 1932 zu schützen.

Er strebte danach, seine Arbeit zu vertiefen und hatte es sich daher zur Aufgabe gemacht, auch seine ärztlichen Kollegen an seinen Vorstellungen und Behandlungsverfahren teilhaben zu lassen. Aus diesem Grunde suchte er den Kontakt vor allem im Gespräch mit ihnen. Das war seine eigentliche Motivation zur Gründung der Hamburger Dermatologischen Gesellschaft.


Paul Gerson_Unna_Thumb Paul Gerson Unna stammte aus einer Familie mit vielen Ärzten. Er wurde am 8. September 1851 in Hamburg geboren. In der Aszendenz waren es 11 Ärzte, in der Deszendenz 8 Ärzte, sodass mit Unna 20 Ärzte in einer Familie zu finden waren. Von den Ärzten der Aszendenz stammten 10 aus der mütterlichen Linie. Bis auf drei sind alle in Hamburg tätig gewesen beziehungsweise tätig. Unter ihnen sind Chirurgen, Augenärzte, Geburtshelfer und praktische Ärzte. Mit Unna kam das dermatologische Moment in die Familie. In Verehrung seines Großvaters Georg Hartogh Gerson, der auf Seiten der Engländer an der Schlacht von Waterloo gegen Napoleon teilgenommen hatte sowie aus Liebe zu seiner Mutter fügte er seinem Vornamen Paul deren Familiennamen »Gerson« hinzu, wozu es einer besonderen Genehmigung durch den Hamburger Senat bedurfte. Er besuchte in Hamburg das Johanneum, machte hier das Abitur, nachdem er sich in der Sekunda durch den Direktor der Schule für ein Jahr zwecks Teilnahme am Unterricht der Polytechnischen Anstalt beurlauben ließ, da er an der Gelehrtenschule den Mangel an naturwissenschaftlicher Bildung erfahren hatte, und begann sein Medizinstudium in Heidelberg im April 1870. Aber schon im Juli 1870 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger an die Front in Frankreich. Dort wurde er am 9. Januar 1871 bei Le Mans durch einen Schuss in den Oberschenkel schwer verwundet, ein Trauma, dessen Folgen ihn dann sein ganzes Leben begleiten sollten.Element Selection

1875 bestand er das Staatsexamen in Straßburg und promovierte mit einer Dissertationsarbeit »Zur Anatomie und Entwicklungsgeschichte der menschlichen Oberhaut und ihrer Anhangsgebilde« bei Waldeyer. Dann führte ihn der Weg wieder nach Hamburg. Im Oktober 1876 begann er unter Engel-Reimers als einziger Assistent in St. Georg mit einer 200-Betten-Abteilung, verließ diese Stellung jedoch ein Jahr später, um bei seinem Vater zu arbeiten, und ging dann für zwei Semester nach Wien zu Hebra, Kaposi und Auspitz. Im Jahre 1878 ließ er sich als praktischer Arzt in Hamburg nieder und war zusätzlich bis 1881 Öffentlicher Untersuchungsarzt.

Im Jahre 1881 ließ er sich mit dreißig Jahren als Hautarzt in privater Praxis nieder. Hier kam es bald zu einem gewaltigen Zustrom an hautkranken Patienten, sodass er sich räumlich verändern musste. Bereits im Jahre 1883 richtete er sich eine Privatklinik in der Osterstraße ein, die in den folgenden Jahren erweitert werden musste, um ein wissenschaftliches Laboratorium und Ärztewohnungen in einem Gesamtkomplex von 7 Gebäuden aufzunehmen.

Die Osterstraße hat sich im Laufe der Jahre zu einem »Dermatologicum« entwickelt und war ein zentraler Punkt für die internationale Forschung geworden. Einen unmittelbaren Eindruck von Unnas Dermatologicum haben Freunde und Schüler von ihm anlässlich seines 100. Geburtstages im »Hautarzt« zum Ausdruck gebracht. Da finden sich Erinnerungen von Achille Civatte, Oskar Gans, Erich Hoffmann, Carl Lennhoff, Marie Unna und Paul Wichmann, in denen auch der Mensch Unna sehr deutlich hervortritt.

Unna hatte vier Söhne, von denen drei Dermatologen wurden, einer war Chemiker. Er nahm die Söhne in seine Praxis mit der Begründung, dass es besser sei, wenn sie die Dermatologie vom Vater lernen würden; andernfalls müsste dieser ihnen die bei anderen angelernten Fehler wieder abgewöhnen.

Er liebte die Musik, spielte selbst Cello, während die Söhne Cello, Violine, Bratsche und Klavier spielten.

Unna war der zentrale Orientierungspunkt in der Hamburger Dermatologie und der größte deutsche Dermatologe.


Eduard Arning_Thumb Eduard Arning wurde am 9. Juni 1855 in Manchester als Sohn eines Hamburger Kaufmanns geboren und kam mit 12 Jahren nach Hamburg. Er besuchte hier das Johanneum, machte das Abitur und begann dann seinen Wunsch zu realisieren, Arzt zu werden, indem er in Heidelberg und Straßburg Medizin studierte. Sein Berufswunsch war zunächst darauf gerichtet, Facharzt für Gynäkologie zu werden.

Unter dem Einfluss des damaligen Direktors des Eppendorfer Krankenhauses Curschmann entschloss er sich jedoch, gemeinsam mit Lesser zu Simon nach Breslau zu gehen. Nachdem Simon kurz darauf verstarb, übernahm er mit Lesser vorläufig die Leitung der Breslauer Hautklinik, bis Albert Neisser berufen wurde und er erster Assistent Neissers wurde. Da Neisser das Angebot, auf Hawaii Forschungen zur Lepra vorzunehmen, so kurz nach der Übernahme der Breslauer Klinik nicht annehmen konnte, verwandte er sich dafür, dass Arning diesen Auftrag übernehmen konnte. So kam Arning für etwa drei Jahre nach Polynesien, widmete sich dort sehr intensiv seiner Aufgabe, kehrte als Spezialist auf diesem Gebiet zurück und galt seitdem als einer der besten Kenner der Lepra. Aus dieser Zeit liegen eine Reihe von Publikationen vor, in denen er sich unter anderem mit der Infektiosität und der Übertragung der Lepra auseinandersetzte. Auch in der Zukunft ließ ihn die Lepra nicht los.

Im Jahre 1887 kehrte Arning nach Hamburg zurück und ließ sich hier als Facharzt für Hautkrankheiten nieder. Das große Renommée, welches ihn jetzt als Spezialisten und großen Kenner der Dermatologie auswies, führte dazu, dass er im Jahre 1906 Oberarzt am Allgemeinen Krankenhaus St. Georg und Leiter der Spezialabteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten mit 500 Betten wurde, der damals größten Klinik dieser Art. Er hat sich in den folgenden Jahren darum bemüht, nach der Einführung der inzwischen entdeckten serologischen Syphilisreaktionen, den Beginn der Salvarsanbehandlung – der Abortivtherapie der Frühsyphilis – bei seinen Patienten einzusetzen. Darüber hinaus wandte er sich diätetischen Maßnahmen bei Erkrankungen zu und erkannte deren Wert für therapeutische Maßnahmen.

Im AK St. Georg führte er besondere Fortbildungsmaßnahmen für die Assistenten ein und wirkte stets sehr anregend durch Vorträge und Diskussionen auch in der Hamburger Ärzteschaft. Es konnte daher nicht ausbleiben, dass Paul Wichmann auch an ihn herantrat wegen der Gründung einer Hamburger Dermatologischen Gesellschaft, der er zunächst ablehnend gegenüber stand, da ihm ein kleinerer Klub mehr zusagte. Andererseits wollte er aber auch nicht abseits stehen und schloss sich dem Wunsch der anderen Gründungsmitglieder an, um in diesem Kreise eine herausragende Rolle zu spielen.

 

Abb 6-Teilnehmer_Thumb
Abbildung 6: Die Teilnehmer am 12. Dermatologen-Kongress in Hamburg vom 15. bis 19. Mai 1921 (aus dem Nachlass von Dr. Jan Antoni, der seine dermatologische Ausbildung unter anderem bei Delbanco und Arning erfahren hatte und in Hamburg als Hautarzt praktizierte – im Besitz von Carl Schirren).
In der Mitte sitzend in der ersten Reihe mit geöffnetem weißen Kittel Eduard Arning, rechts neben ihm Theodor Veiel, Cannstadt, Fünfter links von Arning (mit verschränkten Armen) Karl Herxheimer, Frankfurt, links daneben Erich Hoffmann, Bonn, vor Arning sitzend Abraham Buschke, Berlin

 

Eduard Arning war ein feinsinniger Mensch, der überall sehr beliebt und anerkannt gewesen ist und im Jahre 1921 den 12. Kongress er Deutschen Dermatologischen Gesellschaft in Hamburg leitete, der damals als der glänzendste seiner Zeit bezeichnet worden ist (Abb. 6).

Bis zum April 1924 hielt Arning in St. Georg regelmäßig seine dermatologischen Vorlesungen, hielt die Prüfungen zum Staatsexamen ab, musste dann allerdings aufgrund des Beamtenabbaugesetzes von 1924 im Alter von 68 Jahren in den Ruhestand treten. Seine Abteilung war zur Universitätsklinik erhoben worden.

Arning hatte 1919 mit einem Lehrauftrag für Haut- und Geschlechtskrankheiten auch eine außerplanmäßige Professur erhalten. Sein Ausscheiden aus den Diensten von Hamburg ist kein Ruhmesblatt für die Behörden. Denn nachdem Unna aus dem aktiven Dienst der Stadt ausgeschieden war, wollte die Fakultät Arning auf diese Position setzen, scheiterte jedoch daran, dass der Senat keine Möglichkeit erkennen oder zur Anwendung bringen konnte beziehungsweise wollte, weil das Alter von Arning dagegen sprach. So ließ man ihn dann gehen. Er hinterließ damit eine Lücke, die nicht geschlossen werden konnte, dabei sollte es durchaus im Ermessen des Senats gelegen haben, im Falle Arning über den eigenen Schatten zu springen.

Bereits 1921 hatte Arning dem Senat geantwortet, dass er die Position in Eppendorf nicht übernehmen könnte, »weil die Unterbringung der mir dann zugewiesenen Kranken noch auf Jahre hinaus in den Primitiven Baracken am Rande des Krankenhausterrains statthaben muss und dass an die Schaffung einer dermatologischen Klinik noch lange nicht zu denken ist. So würde ich einerseits ständig unter dem Druck leiden, die mir unterstellten Kranken, die durchaus nicht generell zu den Leichtkranken zu zählen sind, ungenügend untergebracht zu sehen und zweitens müsste ich alles, was an Demonstrationsmaterial und Sammlungsmaterial für den Unterricht neben den Kranken sicher nötig ist, erst neu schaffen, eine in heutiger Zeit noch schwierigere Aufgabe als schon früher« (5).

Der Hamburger Senat hatte Arning im Jahre 1921, als er das Pensionsalter erreicht hatte, die unentgeltliche Weiterbeschäftigung über das erreichte Pensionsalter hinaus bewilligt. Seine letzte große Aufgabe war dann die Ausrichtung der 12. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.

Arning starb im Alter von 82 Jahren am 21. August 1936 in München.


Carl Bruck_Thumb Carl Bruck, geboren am 28. Februar 1879, gehört ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern der ersten Stunde. Er stammte aus Glatz in Schlesien, sein Vater war Fabrikbesitzer. Im Alter von vier Jahren siedelte er mit der Familie nach Dresden über. Hier wurde er zunächst in einer Privatschule unterrichtet; später ging er auf das örtliche Gymnasium, an dem er 1897 das Abitur bestand. Daran anschließend leistete er den Militärdienst als halbjährig Freiwilliger. Das Medizinstudium begann er in München; zwei Semester studierte er in Berlin, wo er 1902 das Staatsexamen bestand und danach mit einer Dissertation promovierte.

1902 bis 1906 arbeitete er am Robert-Koch-Institut und nahm von 1906 zwei Jahre auf Java im Rahmen einer Reichsexpedition an der Erforschung der Syphilis teil. Als Oberarzt war er bis zum Beginn des ersten Weltkrieges an der Breslauer Hautklinik, 1911 wurde ihm der Titel eines Professors verliehen und er erhielt eine Berufung als dirigierender Arzt der Dermatologischen Abteilung des Städtischen Krankenhauses Altona.

Am ersten Weltkrieg nahm er von 1914 bis 1918 teil und zwar als Stabsarzt der Reserve in einem Kriegslazarett. Am 22.08.1919 wurde er mit dem Charakter eines Oberstabsarztes entlassen und ging wieder nach Hamburg zurück, um an seinen alten Arbeitsplatz in Altona zurückzukehren. Über sein dortiges Wirken sind keinerlei Unterlagen mehr vorhanden, aus denen etwas zu entnehmen wäre.

Man muss davon ausgehen, dass sowohl im Staatsarchiv als auch im Archiv des Allgemeinen Krankenhauses Altona die entsprechenden Daten während des Zweiten Weltkrieges durch Bombeneinwirkung verloren gegangen sind. Während des Weltkrieges wurde er mehrfach ausgezeichnet und erhielt die Prinzregent-Luitpold-Medaille, das Eiserne Kreuz II. Klasse und den Bayerischen Militärverdienstorden IV. Klasse mit Schwertern (1).Element Selection

Carl Bruck war jüdischer Abstammung, allerdings evangelisch getauft worden, was ihn jedoch nicht davor schützte, dass er während der NS-Zeit den damaligen Quälereien und Schikanen ausgesetzt war und unter ihnen zu leiden hatte. Es ist unklar, wo Bruck sich nach seinem Ausscheiden aus dem Krankenhaus Altona aufgehalten hat. Unterlagen über eine etwaige ärztliche Tätigkeit nach seiner Entlassung sind durch Kriegseinwirkung wohl verloren gegangen. Eine Tätigkeit als Arzt war ihm jedenfalls untersagt worden. Im Oktober 1941 begannen in Hamburg die ersten Transporte nach Theresienstadt. Um der Verfolgung der Nazi-Behörden zu entgehen, wählte er am 12. Juni 1944 den Tod durch Einnahme von Cyankali, seine Ehefrau nahm sich zwei Tage später das Leben durch eine Überdosis von Schlafmitteln (13).

Carl Bruck war ein sehr angesehener Dermatologe in Hamburg. Während seiner Zeit am Robert-Koch-Institut arbeitete er gemeinsam mit August von Wassermann und Albert Neisser an einer serologischen Reaktion zur Diagnose der Syphilis, eine bis zum heutigen Tage übliche Methode. Seine wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigten sich unter anderem mit der Immunität bei Gonorrhoe, der Immunität bei Syphilis, er publizierte über Wesen, Bedeutung und experimentelle Stützen der Ehrlich’schen Seitenkettentheorie. Mit Wassermann arbeitete er außerdem an Untersuchungen zur Tuberkulose, führte die Gonokokkenimpfung in Deutschland ein und gilt als der Erfinder der Medikamente Arthigon, Acykat und Milkuderm.


Hans Ritter_Thumb Hans Ritter, geboren 11. Juni 1884 in Halle an der Saale, gehört ebenfalls zu den Ersten unseres Faches in Hamburg. Er hatte eine umfangreiche Vorbildung hinter sich, bevor er zu Arning nach Hamburg kam. So war er 1907–1909 am Pathologischen Institut in Halle, 1909–1910 in der Inneren Medizin bei Mohr, 1910 in der Dermatologie und Serologie in Hannover bei Fischer, 1910–1912 in Kiel bei Klingmüller und in der Strahlentherapie bei Hans Meyer, dann von 1912 bis 1924 bei Arning in St. Georg. Während des Ersten Weltkrieges war er als Militärarzt eingesetzt und hat über diese Zeit »Meine Erlebnisse als Sanitätsoffizier Weltkrieg 1914–1918« im Selbstverlag in zweiter Auflage herausgebracht, in denen vor allem die menschliche Seite der Zeit im Krieg zum Ausdruck kommt. Hier war Ritter vor allem wegen seiner guten Organisationsgabe bei den vorgesetzten Stellen sehr anerkannt. Er wurde sowohl an der Westfront als auch in Russland und im Baltikum eingesetzt. Auch Ritter wurde mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse ausgezeichnet.

Sein wissenschaftliches Interesse galt der Wirkung von Röntgenstrahlen, hier speziell der biologischen Wirkung auf die Ovarien sowie der Röntgentherapie von Karzinomen der Haut. Außerdem finden wir in seinen Publikationen Ergebnisse einer Therapie der Syphilis mit Salvarsan sowie Aussagen über die Malariabehandlung der Frühsyphilis und darüber hinaus allgemein interessierende Fragen aus dem Gebiet der klinischen Dermatologie. Ritter hatte sich 1920 habilitiert. Sein Habilitationsthema war »Methodik der Tiefenbestrahlung«.

Am 31.08.1922 gab er seine Assistentenstelle zugunsten von jüngeren Kollegen auf und eröffnete eine Privatpraxis unter gleichzeitiger Weiterbeschäftigung an der Klinik als unbezahlter Volontärassistent und wurde dann am 21.07.1926 außerordentlicher Professor in Hamburg. Das Kultusministerium in Berlin hatte die Ernennung zum Beamten 1939/40 hinausgeschoben, bis Ritter eine Erklärung vorgelegt hätte, dass er arischer Abstammung sei; das hatte er jedoch mit dem Hinweis abgelehnt, er hätte diese Erklärung bereits früher abgegeben. Die Intervention des Ministeriums ging offensichtlich darauf zurück, dass er Mitglied in einer Freimaurerloge in Hamburg gewesen war. Mit Carl Ludwig Karrenberg gründete er 1926 das Pilzlaboratorium, das eine enge Zusammenarbeit mit dem Institut von Hugo Carl Plaut in Eppendorf hatte.

Ritter war ein gern gesehener Gast auf den dermatologischen Fachkongressen und wirkte dort stets anregend durch seine beliebten und anregenden Diskussionen. Sein besonderes Interesse galt therapeutischen Fragen. Im Urteil seiner Zeitgenossen galt er als ein bedeutender Diagnostiker und Therapeut, der sich leider durch eine Erkrankung zum 31.12.1945 in den Ruhestand versetzen lassen musste. Er starb am 23.05.1950 in Hamburg.

Ehrenmitgliedschaften

Die Wahl für eine Ehrenmitgliedschaft ist etwas Besonderes, weil der auf diese Weise Geehrte aus der Masse der Mitglieder herausgehoben wird, auf der anderen Seite ist damit aber auch verbunden, dass die Gesellschaft selbst sich durch eine solche Auszeichnung ehren wird. Wenn man die Reihe der Ehrenmitglieder der Hamburger Dermatologischen Gesellschaft durchsieht, dann unterliegt es keinem Zweifel, dass die Wahl von Ehrenmitgliedern auch mit der Person des jeweiligen Vorsitzenden im Zusammenhang stehen dürfte. Hierzu die kurze Zeit einer Analyse unterziehen zu wollen, in welcher Alfred Marchionini Vorsitzender unserer Gesellschaft gewesen ist, dann entfällt auf die Zeit seines Wirkens eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Persönlichkeiten, welche durch die Gesellschaft zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden. Es sind immerhin 8 Personen. Man muss allerdings berücksichtigen, dass die Zeit Marchioninis eine Zeit des Wiederbeginnes der Hamburger Dermatologischen Gesellschaft nach den zurückliegenden Jahren des Nationalsozialismus gewesen ist, in welcher gerade Marchionini den Kontakt der Deutschen in das Ausland dafür zu nutzen verstand, um die deutsche Dermatologie wieder in den Kreis der internationalen Dermatologie zurückzuführen. Er benutzte die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft dazu, um das Ausland wieder für die Deutschen zu interessieren, an Deutschland zu binden und dem Ausland gegenüber zu demonstrieren, dass es auch ein anderes Deutschland geben würde. Diese Idee war ganz zweifellos etwas Besonderes, mit welcher über den Gedanken hinausgegangen wurde, der im Allgemeinen für eine derartige Ehrung vorausgesetzt wird, erreichte damit aber, dass die deutsche Dermatologie über diese neuen Ehrenmitglieder, die gemäß Satzung hervorragende Ärzte des Auslands waren, wieder voll akzeptiert wurde und das Ausland insgesamt dazu aufrief, sich an den deutschen Dermatologentagungen zu beteiligten. Ohne jeden Zweifel ist das gelungen. Andererseits ergab sich aufgrund dieser Kontakte auch im Ausland die Neigung, deutsche Vertreter der Dermatologie zu den eigenen Tagungen einzuladen.

Diese Aktion konnte sich später nicht wiederholen. Aber es lässt sich aus den Unterlagen ablesen, dass die Ehrung verdienter Mitglieder und anderer Persönlichkeiten dennoch sehr eng mit der Person des jeweiligen Vorsitzenden verbunden sein dürfte. Man wird das wohl darauf zurückführen können, dass hier die Persönlichkeit des Vorsitzenden eine besondere Rolle gespielt hat.

Aus den Akten geht außerdem eine besondere Angelegenheit hervor, die in diesem Zusammenhang erwähnenswert ist. Ein Mitglied hatte an den Vorstand den Antrag gestellt, einen bekannten ausländischen Vertreter der Dermatologie zum Ehrenmitglied zu machen. Ein halbes Jahr später erhielt er die Antwort, dass dem Antrag nicht entsprochen werden könnte, weil derselbe sich nicht um die Hamburger Dermatologische Gesellschaft verdient gemacht hätte. Darauf antwortete der Antragsteller, dass das auch nicht erforderlich sein müsste, da die Satzung lediglich in § 3 zum Ausdruck bringen würde, dass es sich bei dem Beantragten um einen hervorragenden Arzt des Auslands handeln würde. Es verging ein weiteres halbes Jahr und er erhielt wiederum die Antwort, dass dieser sich nicht um die Hamburger Dermatologische Gesellschaft verdient gemacht habe und dass deshalb dem Antrag nicht entsprochen werden könnte. Das Verfahren zog sich wiederum ein Jahr hin, in welchem der Vorstand jeweils die bereits bekannte Antwort mitteilte. Der Antragsteller hat es dann aufgegeben, sich in dieser Sache weiter zu engagieren. Zu bedauern ist in diesem Fall, dass die Möglichkeit eines persönliches Gespräches nicht genutzt wurde.

In einem anderen Fall war ein Antrag nach § 3 an den Vorstand gestellt worden, der im Vorstand einstimmig beschlossen war und auf der nachfolgenden Mitgliedersammlung bekannt gemacht wurde. Auf der Versammlung wurde eingewendet, dass derselbe bereits Ehrenmitglied sei. Das Verfahren wurde daraufhin zurückgestellt, um diese Anmerkung aufzuklären. Es ergab sich, dass der Einwand nicht zutreffend gewesen sei und konsequent dem Antrag entsprochen werden konnte.

Würdigung von Ehrenmitgliedern

Protokolle, die entsprechend den Satzungen in zwei- bzw. vierjährlichen Abständen abgehalten werden mussten, weisen sowohl in den Unterlagen beim Vereinsregister als auch in denen der Gesellschaft eine sehr unterschiedliche Qualität auf. Offensichtlich reichte es den verschiedenen Vorständen, sich auf das Allernotwendigste beschränken zu können. In einem Protokoll aus dem Jahre 1986 finden sich Würdigungen von zwei verstorbenen Ehrenmitgliedern. Es heißt dort u.a.: »Werner Müller ist uns allen aus seiner aktiven Zeit als Chefarzt der Hautklinik St. Georg bestens in Erinnerung. Seine lebendigen, mit unnachahmlicher Genauigkeit vorbereiteten Krankendemonstrationen wie auch seine bewundernswerten fotografischen Darstellungen, die einigen auch aus seiner Monografie noch bestens in der Erinnerung sind, waren ein Beleg für seine große dermatologische Kunst«. Ich möchte Ihnen sehr herzlich Dank sagen für alles das, was Sie in der vergangenen Zeit im Rahmen der Hamburger Dermatologischen Gesellschaft und in der Dermatologie für Hamburg insgesamt gewirkt haben. Sie sind sicher einer der letzten Vertreter unseres Faches, der in klassischem Geiste erzogen wurde und für den die morphologische Betrachtung und Bewertung von dermatologischen Affektionen im Vordergrund gestanden hat. Die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft unserer Gesellschaft hatte ihn sehr bewegt; die Gesellschaft hat damit eine richtige Entscheidung getroffen, weil nicht zuletzt auch sie selbst sich mit dieser Verleihung auszeichnete.

»Udo Ellerbroek – ein anderer begnadeter Hautarzt – steht vor unserem geistigen Auge, wie wir ihn zuletzt anlässlich der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft erlebten. Er war damals schon vom Tode gezeichnet. Dass seine Hamburger Dermatologische Gesellschaft ihn auf diese Weise ausgezeichnet hat, hat er mit besonderer Dankbarkeit aufgenommen. Er gehört zu den Pionieren der Phlebologie in unserem Fache und hat sich durch seine Initiative mit der Schaffung der Heilanstalt für Beinleiden im Rahmen der LVA Hamburg ein bleibendes Denkmal gesetzt. Er leitete die Heilanstalt von 1951 bis 1971 und war einer der aktivsten Phlebologen der damaligen Zeit. Seine wissenschaftlichen Publikationen beschäftigten sich mit dermatologischen, phlebologischen und sozialmedizinischen Fragen. Er war Ehrenmitglied der Hamburger Dermatologtischen Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie.«

Ihr Ansprechpartner

Hamburger Dermatologische Gesellschaft e.V.

Dr. med. Wolfgang Spallek
(2. Vorsitzender)
Hautarztpraxis Hammoniabad
Lerchenfeld 14, 22081 Hamburg
040/227 157 32